Ein Netzwerk für den Sport in der Großregion: EuroSportPool will Grenzen überwinden

Ein Netzwerk für den Sport in der Großregion

Wir müssen Europa auch leben - Luxemburg spielt eine zentrale Rolle

Vier Staaten, sechs Ministerien, mehrere Sportorganisationen – und viel Idealismus: Es klingt ein bisschen kompliziert, aber es soll vieles einfacher machen. Ein Netzwerk namens Eurosportpool soll helfen, Grenzen in der Großregion mit Hilfe des Sports zu überwinden. „Wir sind doch in Europa. Wir müssen alles daran setzen, dass wir zusammen kommen, miteinander sprechen und sehen, wie der Nachbar lebt", sagt der Franzose Fernand Rachel, der Präsident der Organisation: „Wir müssen Europa auch leben."

Jedes Jahr Ende Juni zum Beispiel. Dann radeln rund 250 Jugendliche bei der „Fair Play Tour" durch die Großregion. Auch regelmäßige Fußballturniere, grenzüberschreitende Trainingslager oder gemeinsame Ausbildungs-Konzepte sollen für eine besseres Miteinander sorgen.

Dass Sport eine wunderbare Möglichkeit ist, Menschen zusammenzubringen, ist keine neue Erkenntnis. Auch in der Großregion gab es beispielsweise bereits grenzüberschreitende Fußballwettbewerbe, lange bevor die Idee zu einem eigens dafür zuständigen Gremium geboren wurde. Aber viele bürokratische und sprachliche Hürden blieben, und so wurde vor 15 Jahren ein Verein gegründet, der alles verbinden soll: der Europäische Interregionale Pool des Sports", kurz: Eurosportpool.

Luxemburg spielt dabei eine zentrale Rolle; der Sitz des Vereins firmiert offiziell im Sportministerium des Großherzogtums. Raymond Claude, der frühere Direktor der Ecole Nationale de l'Education Physique et des Sports" (Eneps) war einer der Haupt-Initiatoren zur Gründung des Pools 1996 und in den Anfangsjahren dessen Koordinator. „Luxemburg ist einer der Motoren dieser Entwicklung", sagt der heutige Eneps-Direktor Camille Dahm, Mitglied im Eurosportpool-Vorstand.

Von Anfang an im Vorstand dabei ist Klaus Klaeren von der Europäischen Akademie des rheinland-pfälzischen Sports. „In der Großregion leben 11,2 Millionen Menschen, wovon mehr als ein Drittel im Sport organisiert sind. Der Sport stellt somit die größte Interessenvertretung in der Großregion dar", argumentiert der Deutsche, der sich seit Jahren als Schatzmeister um die Finanzen des Vereins kümmert.

Um vor allem Breitensport auf verschiedenen Ebenen zu erreichen und politisch den nötigen Rückhalt zu haben, setzt sich der Eurosportpool aus jeweils dem zuständigen Ministerium, der höchsten Sportorganisation sowie den Ausbildungs-Instituten jeder Region zusammen. So sieht das Konstrukt zunächst auch recht kompliziert aus. Sechs Regionen aus vier Ländern bilden die Vereinsmitglieder: Luxemburg, Lothringen, die Provinz Luxemburg Belgien die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, Rheinland-Pfalz und das Saarland

Zusammenarbeit hat sich gut eingespielt.

Insgesamt sind 15 verschiedene Behörden und Institutionen vertreten. Luxemburg ist mit der zum Sportministerium gehörenden Eneps (Camille Dahm, Michel Wolter) und dem Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois (COSL/Marlyse Pauly, Roby Reiland) dabei und hat somit den geringsten administrativen Aufwand. Aus Frankreich sind drei, aus Belgien vier, aus Deutschland sechs Behörden und Organisationen vertreten.

In der Praxis hat sich die Zusammenarbeit offenbar trotz der vielen Mitwirkenden gut eingespielt. Der Eurosportpool unterstützt verschiedene Aktivitäten und Veranstalter vor allem durch unser großes Netzwerk", erklärt Präsident Rachel, der vom Comité règional olympique et sportif de Lorraine kommt. Zum Beispiel bekam ich vor einigen Monaten einen Brief von einem Lothringer Verein, der eine Leichtathletik-Meisterschaft der Großregion organisieren möchte. Wir konnten ihm die richtigen Ansprechpartner in den anderen Regionen vermitteln, bei der Suche nach Teilnehmern helfen und so dazu beitragen, dass das Ganze ein Erfolg wird", sagt Rachel.

Bei jedem Projekt werde darauf geachtet, ob bestimmte Fairplay-, Ethik- oder auch Öko-Standards eingehalten werden. „Und wenn wir ein Projekt für gut befunden haben, dann stehen wir voll dahinter."

Die etabliertesten Veranstaltungen sind die im nächsten Jahr zum 14. Mal organisierte „Fair Play Tour" für die jungen Radsportler sowie das seit 2005 existierende Fußballturnier „Ballance". Die Radtour führt über 800 km durch die Großregion, hatte bislang über 3000 Teilnehmer und mit Hilfe von Sponsoren und begleiteten Aktionen insgesamt über 2 Millionen Euro Spenden für internationale Hilfsorganisationen erbracht.

„Ballance" beinhaltet Straßenfußballturniere, an denen jeweils 120 Jugendliche aus allen Teilen der Großregion in bunt zusammen gewürfelten Mannschaften antreten. „In jeder Mannschaft sind Kinder mit verschiedenen Muttersprachen. Sie reden mit Händen und Füßen miteinander, aber es passt", sagt Dahm. Bei Turnieren in WM-Jahren vertreten die Teams symbolisch die Flaggen der WM-Teilnehmer.

Das Sportfest „Wibbel an Dribbel", bei dem Kinder alle möglichen Sportarten ausprobieren können, wird vom luxemburgischen Sportministerium organisiert, ist aber offen für die Kinder anderer Regionen. Das Projekt „Euromoqs" widmet sich der Fortbildung von Lehrern. Neu im Programm ist unterdessen „Eurun", einen Leichtathletik-Veranstaltungsserie, die vom saarländischen Leichtathletik-Club Rehlingen, vom Luxemburger Cercle athlétique de Schifflange sowie vom Post-Sportverein Trier gemeinsam organisiert wird.

Ein schwieriges Thema aber ist ausgerechnet ein sehr wichtiges: Geld. Angesichts der ambitionierten Ziele ist das Budget des Vereins äußerst bescheiden. Nach Angaben von Schatzmeister Klaus Klaeren zahlen die sechs Regionen jeweils einen Mitgliedbeitrag von 1500 Euro, was 9000 Euro an festes Jahreseinkommen ergibt.

Schwierig, in Förderprogramme zu kommen

Der – ehrenamtlich arbeitende – Pool unterstützt Projekte mit einem eigenen Label und einem kleinen Geldbetrag. Hauptsächlich werden Veranstaltungen von Sponsoren der ausrichtenden Region sowie der zuständigen Kommune oder Sportorganisation finanziert. In den vergangen Jahren hat sich der Pool auch immer wieder um EU-Fördergelder bemüht, aber oft vergebens. „Es ist sehr schwer und kompliziert, in solche Förderprogramme zu kommen", weiß Rachel.

Zuletzt konnte man aber auch da Erfolge verbuchen. „Seit 2011 gibt es einen europäische Fonds für regionale Entwicklung, der auch kleinere Projekte unterstützt, und das mit überschaubarem Aufwand", berichtet Klaeren. „Eurun" ist das erste derart geförderte Projekt. Es soll natürlich nicht das letzte bleiben, darin sind sich alle einig. „Wir wollen weiterhin vorankommen, und glücklicherweise wollen auch alle in eine Richtung", sagt Rachel. „Aber wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Der Eurosportpool

Mitglieder und Institutionen

Luxemburg: Ecole nationale de l´Education physique et des sports (ENEPS) Comité olympique et sportif luxembourgeois (COSL)

Lothringen: Conseil régional de Lorraine; Direction régionale de la jeunesse des sports et de la cohesion sociale; Comité regional olympique et sportif de Lorraine (CROSL)

Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens: Sportrat der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens

Provinz Luxemburg Belgiens:

Province de Luxembourg; Association olympique de Luxembourg

Rheinland-Pfalz

Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur; Landessportbund Rheinland-Pfalz; Europäische Akademie des rheinland pfälzischen Sports

Saarland: Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport; Landessportverband für das Saarland; Sportwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes